Grüne vor Ort

Handgroße Kröten und Apfelsaft

Grüne treffen sich mit Stefan Wanske vom Naturschutzbund (NABU) in Recklinghausen

Bei einem Gespräch am Forsthaus mit anschließendem Spaziergang zur Streuobstwiese im Hohenhorster Wald ging es um die bald endende Amphibienzeit und die Bewirtschaftung der Streuobstwiese im Hohenhorster Wald

Ein Forsthaus mit Geschichte

Das zuvor städtisch genutzte Forsthaus der Stadt Recklinghausen suchte zu Beginn der 2000er Jahre eine neue Art der Nutzung. Seitdem wird 7000 qm große Grundstück mit Haupthaus und Nebengebäuden nun gemeinschaftlich mit der Diakonie genutzt. Die Diakonie nutzt dabei das Haupthaus zur Unterbringung von Kurzzeit-Wohnungslosen. Stefan Wanske erinnert sich noch an ein Foto aus dem Jahr 1923, das ihn in die Hände fiel: „Auf dem Bild war noch kein Wald zu sehen, daher gehe ich davon aus, dass dieser nach Größe der Bäume erst in der Nachkriegszeit entstanden und ganz wild gewachsen ist. Der Wald wird durch die Stadt nicht bewirtschaftet. Wir nutzen ihn daher gerne für unsere pädagogische Arbeit.“

Der Lehrauftrag

Das pädagogische Konzept ist schon seit den 90er Jahren Bestandteil der NABU-Arbeit. Abhängig von den Vorlieben und Kenntnissen der Engagierten werden Vogel-, Amphibien-, Insekten- oder Pflanzenkunde vermittelt. Auch spielen, toben, bauen und basteln bestimmt das Programm (hier geht’s zum Programm).

In friedvoller Nachbarschaft

Die Unterbringung der Anwohner im Haupthaus ist keine Einschränkung für die Ehrenamtler beim Naturschutzbund. Stefan Wanske erzählt uns von einem Bewohner, der sich als gelernter Gartenlandschaftsbauer viel einbrachte und großen Anteil an der Außengestaltung hatte. Ansonsten suchen die Bewohner kaum Kontakt und leben eher zurückgezogen. Den Kontakt zu den Mitarbeiter*innen der Diakonie beschreibt Stefan Wanske als hervorragend.

“Handgroße Kröten mit 3000 Eiern und Kerl oben drauf”

Von Ende Januar bis April ist Amphibiensaison. Den „Kröten über die Straße zu helfen“ ist eine große Aufgabe, die sich der Naturschutzbund in Recklinghausen auferlegt hat. Seit nun mehr als 16 Jahren werden im Bereich der Mollbeck „Krötenzäune“ aufgestellt und in täglicher Sisyphusarbeit Kröten eingesammelt und in Eimern über die Straße gebracht.

Der Fortbestand ist abhängig davon, wie viele Tiere zum Laichen kommen. Daher sieht Stefan Wanske die Verantwortung bei uns allen: „Wir Menschen haben die Wege der Amphibien durchschnitten und nicht umgekehrt. Es liegt an uns Wiedergutmachung zu leisten.“ Mit der Kombination aus Krötenzäunen, Eimern und unterirdischen Tunneln lassen sich die Tiere sicher umleiten. Ohne Barrieren fallen sie dem Autoverkehr zum Opfer. „Die bis zu handtellergroßen Kröten tragen neben 3000 Eiern auch noch den Kerl oben drauf. Wenn dann ein Auto den Weg kreuzt, sind nicht nur die Autoreifen, sondern auch der Unterdruck unterm Auto eine garantierte Todesursache für die Tiere. Der Sog unterm Auto lässt die Lungen der Tiere platzen, diese verenden. Diesem Problem muss man mit Geschwindigkeitsreduktion, der Verbesserung der Sichtbarkeit, Warnschildern und sicheren Umleitungen begegnen,“ ergänzt Stefan Wanske und nennt gleichzeitig Möglichkeiten etwas zu tun: „Wenn jemand bei sich vor Ort wandernde Kröten entdeckt, beraten wir und nehmen auch Kontakt zur Stadtverwaltung auf, um gemeinsam Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten.“

Seltene Kreuzkröte in Recklinghausen zu Hause

Neben den Amphibien, die in der festen Zeit von Januar bis April wandern, gibt es im Recklinghäuser Stadtgebiet auch die Kreuzkröte, unter anderem auf dem Blumenthal Gelände, nahe dem KSR Betriebshof, heimisch ist. Diese Krötenart kann bis September laichen und benötigt nur Pfützen für die Eier, in denen sich die Kröten innerhalb von nur 6 Wochen ausbilden. Hier ist die Stadt bereits tätig geworden und hat wegen der Vermarktung des Blumenthal Areals Ausgleichsmaßnahmen getroffen.

Streuobstwiese im Wald-Idyll

Als Konsequenz der übergebührenden Nutzung wurde die Streuobstwiese im Hohenhorster Wald eingezäunt. Eine erste positive Entwicklung ist, dass die entstandenen menschlichen Spuren langsam verschwinden und die über die Fläche verlaufenden Wege wieder zuwachsen. Auch sind gerade die Bussarde durch die eingekehrte Ruhe auf der Fläche wieder sehr gut beim Jagen zu beobachten. Bei unserem Besuch treffen wir einen Imker, der dort zwei Bienenvölker betreut, die vor 6 Wochen eingezogen sind und sich prächtig entwickeln. Der Naturschutzbund hat dieses Jahr noch viel vor und will erstmalig die geernteten Äpfel in seinem Saftmobil zu Apfelsaft verarbeiten und bei seinem Herbstfest am 18. September an Unterstützer verkaufen.

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