Grüne vor Ort

Schwein gehabt!

Am 03.11.2021 waren wir Grünen zu Besuch bei den Biobrüdern Christoph und Elmar Heimann in Recklinghausen Berghausen. Hier wollten wir uns ein Bild von der biokonformen Schweinemast und – zucht machen. Im August 2020 sind dort die ersten Schweine eingezogen und wir Grünen waren neugierig, wie moderne Biohaltung in Recklinghausen aussieht und wie sich der Biohof seitdem entwickelt hat.

Der gläserne Blick in die Schweinehalle

Zu Beginn der Führung ging es über eine Stahltreppe in einen verglasten Raum von dem wir auf eindrucksvolle Weise in das Innere der Halle schauen konnten. Stolz erzählte uns Christoph Heimann, dass dieser Raum als Herzstück schon ganz am Anfang der Planung stand. Hier sei auf einen Blick erkennbar, dass es den rund 250 Sauen hier „saugut“ gehe. Jürgen Goldbeck, Mitglied im Arbeitskreis Einzelhandel, fielen direkt die vielen langen Ringelschwänze auf, die in der konventionellen Haltung kaum zu sehen seien. „Anhand der langen Ringelschwänze kann man die Tiere erkennen, die bereits bei uns geboren sind“, erzählte uns sein Bruder Elmar Heimann. Beim Beobachten der Sauen überraschte uns die äußerst gelassene Stimmung unter den Tieren. Schmunzeld verriet uns Christoph Heimann, dass die Sauen bei ausreichend Futter vollkommen entspannt seien und es eigentlich nur beim anfänglichen Zusammenstellen der Großgruppe kleine Rangeleien gab. Jetzt sei die Gruppe aneinander gewöhnt und jeder habe seinen Platz und Rang in der Gruppe. Für ausreichend Futter sorge die Futterstation in der Mitte der Halle, welche jedes Tier anhand der Ohrmarke genau erkennt und individuell versorgt. Bereits um Mitternacht werde mit der Fütterung begonnen, sodass jedes Tier unabhängig vom Rang Gelegenheit zum Fressen bekäme.

Saubere Säue

Die Ratsfrau Maya Wischnewski beobachtete, dass in der Einstreu kaum Kot zu sehen war, was laut Elmar Heimann mit dem hohen Reinlichkeitsempfinden der Schweine zusammenhinge. Diese verrichten ihr Geschäft in der Regel nur draußen, es sei denn es passiert im Eifer des Gefechtes ein Unfall, was beim Blick nach unten nur den Bereich um die Futterstation betrifft. In den Randbereichen gruben sich währenddessen einige Sauen genüsslich kauend ins Stroh ein, bis nur noch Teile des Rückens zu sehen waren. An anderer Stelle beobachtete Christa Siemsen gerade eine Sau, die aufstand und langsam zum Außenbereich watete „Bei der hohen Einstreu müssen die Sauen sich richtig anstrengen.“ Dazu Christoph Heimann: „Und genau das ist gewollt. Die Sauen sollen fit für die Geburt sein und ein anstrengender Gang zu den Trinkstellen und der Futterstation gehören hier zum täglichen Workout“ erläuternd ergänzt er „Durch die gute Fitness müssen die Sauen während der Geburt nicht fixiert werden, da sie nur über ihre Ferkel rollen, wenn sie körperlich zu schwach sind.“

Sonnen- und Regenschweine

Nachdem uns die Biobrüder noch viele weitere Fragen zu Fütterungen, Futteranbau, Kreuzungen, Kooperationen und Partnern beantworteten setzten wir unseren Rundgang fort. Nach gründlicher Desinfektion durften wir das Außengelände der Stallungen betreten. Auf der Rückseite der großen Halle erstreckte sich ein Dach mit einer großen Aussparung „Hier dürfen die Tiere alle Umwelteinflüsse spüren, einige Sauen genießen die Beregnung und andere sind richtige Sonnenanbeter.“ erläuterte uns Christoph Heimann im Vorbeigehen.

 
Reihenhausflair für werdende Mütter

Die Einzelstallungen hinter der großen Halle erinnerten ein wenig an Reihenhäuser mit kleinen Vorgärten. Jeder Stall sei gleich aufgebaut, damit sich kein Schwein umgewöhnen muss, wenn es in eine neue Stallung beziehe. Während einige Ferkel schüchtern an einer Türöffnung standen, hörte man im Nachbarstall ein aufgeregtes Quieken. Hier wurden gerade 10 Ferkel gesäugt. Nebenan trabten quirlige Ferkel hinter der Muttersau her und noch einen Stall weiter fraß die Muttersau genüsslich, während sich ihre Ferkel im Stall aufhielten.

Die Stallfunktionen

Um uns die Funktionalität der Stallungen genauer zu erklären stieg Christoph Heimann kurzerhand zur Sau „Penny“ ins Außengehege, die davon recht unbeeindruckt war. Der Außenbereich bestehe aus Gittern, die sich zur Reinigung an den Stall klappen lassen, damit ein Radlader alle Außenbereiche einer Reihe in einem Arbeitsschritt reinigen könne. Über kleine Gitter in den Einzäunungen können sich die Sauen mit den Nachbarn verständigen, wo sie gut 8 Wochen. Davon etwa eine Woche vor der Geburt und sieben Wochen danach. Dann gehen die Ferkel in den Verkauf oder verbleiben dann teils in kleineren Gruppen mit anderen jungen Schweinen. Bei zunehmender Größe steigt der Platzbedarf der Tiere, wodurch die Gruppen kleiner werden.

Das Kerngeschäft

Beim Blick auf den Nachwuchs fielen uns die unterschiedlichen Ohrmarken auf. Die Farbigkeit der Ohrmarken gebe Aufschluss darüber, welche Tiere gekreuzt wurden und dienen als Hilfsmittel zur Bewertung der Zuchterfolge. „Ohne diese Ohrmarken wäre es teils schwer zu unterscheiden, aus welcher Linie die Tiere stammen und genaue Auswertungen sind für die Zucht sehr wichtig“, so Christoph Heimann. „Bisher ist die Schweinezucht unser Hauptgeschäft, mit der Vermarktung vom eigenem Fleisch haben wir gerade erst begonnen. Jeden Freitag wird bei uns am Hof von 14 bis 18 Uhr Fleisch verkauft, neben dem Betrieb ist das kaum möglich. Wir stehen hier noch am Anfang und uns stehen noch viele Neuerungen bevor, die wir uns zur Selbstaufgabe machen. Dazu gehört auch die teilmobile Schlachtung, die wir uns für unsere Tiere wünschen. In der teilmobilen Schlachtung können die Tiere vor Ort sterben und werden erst nur zur Zerlegung in einen Zerlegebetrieb gebracht.“

Leidenschaft für Landwirtschaft

Im gemeinsamen Gespräch mit den Brüdern Elmar und Christoph Heimann erlebten wir zwei leidenschaftliche Bauern, die an einer stetigen Verbesserung ihrer Schweinezucht und der biologischen Landwirtschaft arbeiten und ihre Ansprüche an sich selbst weit über den Biorichtlinien ansiedeln. Sie sehen in der ökologischen Landwirtschaft einen interessanten Geschäftszweig, der noch viele Möglichkeiten für sie bereit hält. Wir sind sehr gespannt, wie sich der Landwirtschaftsbetrieb weiterentwickeln wird und welche der vielen neuen Ideen als erstes in die Tat umgesetzt werden.

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