Quartiersmanagement: Anlaufstellen und Kümmerer benötigen gesicherte Förderung – Grüne sprechen sich für eine Verstetigung und einer Ausweitung auf weitere Stadtteile aus

Bürgerschaftliches Engagement findet dort statt, wo die Menschen leben, in ihrem eigenen Lebensumfeld. „Darum brauchen wir vor Ort zuverlässige Rahmenbedingungen und kompetente Anlaufstellen, die unterstützen und Interessierte zusammenbringen“, so Holger Freitag. Als Vermittler zwischen Bewohnern, Akteuren und der Politik und Verwaltung übernimmt das sogenannte Quartiersmanagement eine wesentliche Rolle im Gestaltungs- und Veränderungsprozess. „Es hilft vor allem Initiativen, die sich für die Nachbarschaft, das Quartier und für einen lebendigen, zukunftsfähigen Stadtteil engagieren“, meint Christel Dymke. Die Grünen sprechen sich daher für weitere Quartiersmanager in anderen Stadtteilen aus und fordern die Verwaltung dazu auf, eine solche Ausweitung zu prüfen. Die Voraussetzung für die Grünen ist allerdings die Nachhaltigkeit dieser Anlaufstellen.

Häufig stellt bei der Umsetzung von Quartiersprojekten die dauerhafte Finanzierung des Quartiersmanagements die größte Herausforderung dar, weil es im Rahmen der Finanzierungsmöglichkeiten der bestehenden sozialen Sicherungssysteme bisher dafür keine Regelfinanzierung gibt. „Unter den bisher umgesetzten Projekten gibt es aber eine Vielzahl an Finanzierungsquellen und –modellen, die sich für die individuellen Projekte als nachhaltige Finanzierung bewährt haben“, so Christel Dymke.*

Zurzeit existieren und betreuen Quartiersmanager in Recklinghausen die Stadtteile Hillerheide und das Paulusviertel. Die Quartiersmanager in Hillerheide sind Monika Wagner-van der Straten und Björn Schmidt-Freistühler. Beide sind bei der Caritas in Recklinghausen angestellt. Beide sind aufgrund einer städtischen Ausschreibung seit April 2016 im Stadtteil tätig. Damals förderte die Bezirksregierung Münster eine Koordinierungsstelle für alle Träger der Flüchtlingshilfe ein Stadtteilbüros mit Quartiersmanager als Ansprechpartner und zur Initiierung von Aktivitäten im Stadtteil bis zum 31.12.2018, für das die Caritas den Zuschlag bekam. Mit dem Integrierten Stadtteilentwicklungskonzept (ISEK) für den Ortsteil Hillerheide wurde das Stadtteilmanagement für zunächst vier Jahre ausgeschrieben, um an die bisher initiierten Projekte und erzielten Erfolge unmittelbar anknüpfen zu können.

Das Quartiersmanagement im Paulusviertel organisiert Helmut Scholz. Er ist bei der AWO angestellt und hat sein Büro im Seniorenheim an der Wildermannstraße. Er verfolgt einen anderen Ansatz. Es setzt seinen Schwerpunkt auf die Verbesserung der Versorgungs- und Lebenssituation von älteren Menschen unter Anwendung eines generationsübergreifenden Ansatzes.

Das Stadtteilmanagement in beiden Quartieren hat eine koordinierende und organisierende Funktion und baut auf den vielfältigen Netzwerken und Aktivitäten der im Gebiet beheimateten Einrichtungen und Initiativen auf. Die Quartiersmanager tragen mit ihrer Arbeit nicht nur dazu bei das Quartier aufzuwerten, zu verbessern und zu stabilisieren, sondern aktivieren die Bewohnerschaft zur Beteiligung und Mitwirkung. „Das holt Menschen aus der Isolation und vermindert Einsamkeit“, so Holger Freitag, was zunehmend aufgrund des fortschreitenden demografischen Wandels immer wichtiger wird.“

* Finanzierung durch Umlage, Betreuungspauschale, „Haus im Viertel“, Bremen, Mietnebenkosten, „Freie Scholle e. G.“ Meinolfstraße, Bielefeld, Quartiersstiftung, Niederländische Wohnpflegezonen „Moerwijk“, Finanzierung über leistungsrechtliche Ansprüche, „Bielefelder Modell“ Vennhofallee, Bielefeld, Finanzierung über Sozialfonds und Bürgerstiftung, Lebensräume für Jung und Alt, Amtzell (Baden-Württemberg), Finanzierungsformen auf Grundlage definierter Sozialräume, Sozialraumbudget, Housing Improvement Districts (HID), Housing Improvement Districts (HID), Hamburg, Förderprogramm „Soziale Stadt“, Finanzierung im Rahmen der kommunalen Daseinsvorsorge, Alten Service Zentrum, Eching (Bayern), Indirekte Finanzierung durch Bürgerbeteiligung, Seniorennetzwerkarbeit, Mülheim an der Ruhr (Nordrhein-Westfalen)

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