Foto: pixabay/ Fabrik/ Laserschneider

Produktion zurück in die Stadt! Urbane Produktion als Chance für die Stadt und Unternehmen

Die inhabergeführten Geschäfte in unserer Innenstadt haben es zunehmend schwerer, zu überleben. Die Vielfalt der Angebote nimmt weiter ab. Läden für Billigprodukte nehmen zu. Hinzu kommt fehlende Kreativität und fehlender Veränderungswille einiger Immobilienbesitzer. Einen Abwärtstrend durch Leerstand erlebt zurzeit die untere Breite Straße. Neue Konzepte und zukunftsweisende Ideen müssen her, um die Innenstadt aber auch einzelne Quartiere in Recklinghausen wieder zu beleben.

Auch vor dem Hintergrund der Analyse der deutschen Wirtschaft (IW) zur Emscher-Lippe Region als eine abgehängte Region, bringen wir eine Idee in die Diskussion, die zurzeit in mehreren Städten ausprobiert wird. Unter dem Motto „Produktion zurück in die Stadt“, weisen wir auf die Produktion in der Stadt hin, die eine lange Tradition hat. Wir gehen davon aus, wenn die städtische Produktion eine Renaissance unter den Vorzeichen veränderter Produktionsweisen erlebt, wird sie zu einem Baustein für eine lebendige und lebenswerte Stadt. „In vielen Branchen“, so Holger Freitag, „gehören bereits heute mobiles Internet, Cloud-Technologien, Software und Hardware wie der 3D Drucker, der Laserschneider, multifunktionale Maschinen oder interaktive Fertigungsroboter zur Produktion.“

Die Herstellung von Produkten in Städten ist nichts Neues. Der heute dafür verwendete Begriff „Urbane Produktion“ meint die Herstellung und Bearbeitung von materiellen Gütern in dicht besiedelten Gebieten. So ermöglicht gerade die digitale Steuerung eine dezentrale und kleinteilige Fertigung, nachfrageangepasste Serien, ein sparsamer Umgang mit Produktions- und Lagerflächen und damit minimierte Transportwege. Besonders technische Neuerungen und veränderte Arbeitsweisen sind Wegbereiter und befördern heute stadtaffines Produzieren und Reparieren: Der 3D Druck oder das Lasercut-Verfahren, aber auch das Aufkommen von experimentellen Fablabs (fabrication laboratory = offene Werkstätten, die auf computergesteuerte Fertigung ausgerichtet ist) sind dafür Beispiele.

In Aachen und anderen Städten werden zurzeit solchen Ideen für kleinräumige und emissionsarme Stadtfabriken entwickelt. Das Forschungsprodukt „Made in Aachen“ (MIA) der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule z.B. wird vom Bund und der Stadt unterstützt. Das Projekt untersucht, welches Umfeld produzierende Betriebe einer neuen Generation suchen, und wie sie in die Stadt (re-) integriert werden könnten, welche Nachbarschaften zuträglich sind und wie es um die Akzeptanz der Bevölkerung bestellt ist. Die bisherigen Ergebnisse sind ermutigend. Die Firma Abiomed (Medizintechnik/Herz-pumpen) zum Beispiel fertigt auf mehreren Geschossen mit 400 Mitarbeitern mitten in der Stadt ein Produkt, dass weltweit vertrieben wird. In der Wuppertaler Nordstadt „Ölberg“, haben sich mehrere Unternehmen der Urbanen Manufaktur angesiedelt und dadurch den Stadtteil neu belebt.

Wir könnten uns vorstellen, dass nach Jahrzehnten der Funktionstrennung neue Produktionsweisen dazu beitragen könnten, dass es wieder mehr Vielfalt und urbane Qualität in der Stadt und einzelnen Quartieren gibt. „Funktionsverluste, die etwa durch den Rückzug des Einzelhandels auch in Recklinghausen entstanden sind, könnten aufgefangen und Ladenlokale neu genutzt werden“, so Holger Freitag. Eine zentrale Voraussetzung ist dabei eine gesamtstädtische Strategie, sowie neue Planungs- und Vergaberegeln (Konzeptvergaben, Urbanes Gebiet), gemeinwohlorientierte Immobilienkonzepte sowie Beratung und Förderung können das Entstehen einer wieder produktiven Stadt befördern.

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