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Pflege neu gestalten: Grüne fordern das Pflegemodell Buurtzorg aus den Niederlanden auch für Recklinghausen

Die Rahmenbedingungen für die ambulante Pflege müssen verbessert werden. Wir sehen dringenden Handlungsbedarf in der häuslichen Pflege auch in Recklinghausen. „Wir fordern daher eine Rückkehr zu einer echten mobilisieren Pflege“, so Holger Freitag. Die Grünen favorisieren dabei das niederländische Konzept Buurtzorg. Auch in anderen Städten wie Münster, Vreden, Emsdetten, Berlin, Leipzig u.a. steigt das Interesse an dem Modell.

Bei dem Modell Buurtzorg profitiert das Gesundheitssystem, indem es die Attraktivität der Pflegeberufe steigert und gleichermaßen die Patientenzufriedenheit erhöht und die Kosten der Pflege senkt. Deshalb fordern wir für Recklinghausen die Einberufung einer Pflegekonferenz, um zu klären, ob es Pflegedienste in Recklinghausen gibt, die einen solchen Systemwechsel mittragen würden und ihren Pflegedienst nach dem niederländischen Konzept umstrukturieren würden. „In Emsdetten arbeiten bereits zwei Pflegedienste nach dem Modell und sind von der Regelung – Abrechnung mit den Gesundheitskassen nach Leistungskomplexen – ausgenommen“, berichtet Christel Dymke. Deshalb fordern wir, dass im Sozialausschuss Pflegedienste, die dieses Modell praktizieren, eingeladen werden, um dort das Modell vorzustellen.

Buurtzorg, übersetzt meint Nachbarschaftshilfe und revolutioniert seit 2007 das niederländische Pflegesystem. Buurtzorg steht für ein ambulantes Pflegesystem, das den Patienten und Pflegebedürftigen ein eigenständiges Leben ermöglicht und ihre Selbstfürsorge aktiv fördert. Die Pfleger*innen erkunden durch Gespräche mit Patienten und Angehörigen die gesamte Lebens- und Wohnsituation und entscheiden dann, welche Pflege in welcher Form notwendig ist. Anders als im herkömmlichen Pflegedienst sind sie dabei nicht mehr nur Fachkräfte, die ausführen, was der Arzt oder die Pflegedienstleitung angeordnet hat. Vielmehr organisieren und koordinieren sie die gesamte Unterstützung und stehen in direktem Kontakt zu Ärzten, Krankenhaus, Physiotherapeuten oder anderen Spezialisten. Vor allem aber beziehen sie Angehörige, Freunde, Nachbarn und Ehrenamtliche ein.

Doch nicht nur für die Patienten und deren Familien führt das System zu einer großen Zufriedenheit. Das Besondere an Buurtzorg ist, dass es auch die Arbeit der Pflegekräfte völlig verändert, indem es ihnen ein hohes Maß an Eigenverantwortung überträgt. Die Pfleger*innen arbeiten in Teams von vier bis maximal zwölf Fachkräften. Sie sind zwar bei einem Pflegedienst angestellt, arbeiten aber selbstständig mit eigenem Budget und entscheiden auch, wer in ihr Team aufgenommen wird. Zugleich werden sie von Verwaltungsaufgaben wie z.B. der Rechnungstellung entlastet, da dies der Pflegedienst, bei dem sie angestellt sind, übernimmt.

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