Für Bildung und für Bäume!

Es gibt Projekte, die sind ein Glücksfall, denn sie bieten sowohl für deren Befürworter als auch für deren Gegner befriedigende Lösungen. Die geplante Gebäudeerweiterung auf dem Grundstück der Grundschule im Reitwinkel ist so ein Glücksfall! Denn die einen könnten den lang ersehnten Erweiterungsbau erhalten und die anderen könnten sich über den Erhalt der 100 Jahre alten Platanen freuen. Warum? Weil es für den Erweiterungsbau eine alternative Planung gibt.

Doch statt sich mit einem Kompromiss auf eine allseits befriedigende Lösung zu einigen, wird der eigene Standpunkt mit fragwürdigen Begründung hartnäckig verteidigt. Da wird das eine gegen das andere ausgespielt: Bildung gegen den Erhalt der Bäume. Die Schulleiterin beschwört eine erhebliche Beeinträchtigung des Lernerfolges bei den Kindern, sollte der Erweiterungsbau nicht auf die gewünschte Fläche kommen. Dabei hängt der schulische Lernerfolg bei den Kindern von noch mindestens ein Dutzend anderer Kriterien ab. Des Weiteren werden die maroden Abwasserrohre als Argumentationshilfe verwendet. Es wird in diesem Zusammenhang das Bild vom bösen und gefährlichen Baum herangezogen, der wegen seiner zerstörerischen Wurzeln die Rohre beschädigt. Das hier im Erdreich uralte Rohre aus Ton liegen, die natürlich über die Jahrzehnte brüchig und rissig geworden sind, redet niemand. Ja, und wen verwundert es, Bäume Wurzeln haben, die dazu dienen, Wasser aufzunehmen und dem Baum als Organismus und Lebewesen die wichtigen Nährstoffe zuzuführen. Auf der Suche nach Wasser ist es nur verständlich, dass die Wurzen in die löchrigen Rohre eindringen.

Und dann ist da noch der so wichtige Bolzplatz und die Spielfläche, die durch Elterninitiative mitgestaltet wurde. Aber genau dort auf der Fläche besteht die Möglichkeit, den Erweiterungsbau zu errichten. Ja geht es noch? Es können noch viele Argumente Für und Wider gefunden werden. Solange es aber eine Standortalternative gibt, die leider nicht im Ausschuss bisher präsentiert worden war, kann doch nur die Entscheidung lauten: für Bildung und Bäume.

Die Fällung der vitalen Bäume wurde übrigens von Verwaltungsseite Anfang 2019 auf 20.000 Euro geschätzt. Zudem liegt unter dem begehrten Standort der Schulleitung eine Fernwärmeleitung der Firma Uniper. Die Verlegung der Leitung hätte einen weiteren hohen Kostenaufwand zur Folge.

Es ist schade, dass der Kompromiss in der Politik aus der Mode gekommen ist. Im demokratischen Alltag geht es vor allem um Kompromisse. Die Demokratie muss ihre Probleme so lösen, dass sich am Ende möglichst viele Bürgerinnen und Bürger mit einer Entscheidung identifizieren können. Breite Akzeptanz trotz heftiger Interessengegensätze – wie geht das? Durch kluge Kompromisse. Man muß das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen. (Hermann Hesse)

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