Foto:pixabay; Polizeiautos

Eine ständige Besetzung der Süder-Wache löst das strukturelle Problem nicht. Stattdessen den Stadtteil Süd stärken!

Vor kurzem trafen sich auf dem Süder-Neumarkt zwei verfeindete Gruppen. Der jüngste Bericht in der RZ über den Polizeieinsatz am Neumarkt dazu hat wieder die altbekannten Reflexe in der Politik ausgelöst. Der Ruf nach mehr Polizeipräsens und die Forderung nach einer ständigen Besetzung der Süder-Wache sind aber nur der hilflose Versuch von Politik, dem „Unheil“ entsprechend entgegenzutreten. Leider führen diese Forderungen nach Law und Order aber nicht zur Lösung und lenken vom eigentlichen Problem des Stadtteils ab.

Die Lösung wäre, den Stadtteil Süd zu stärken, damit er nicht irgendwann kippt. Wir müssen gegen die soziale Schieflage vorgehen. Denn hier ist der Anteil der nichtdeutschen Bevölkerung am größten, hier leben die meisten Empfänger von Hartz IV und anderen Transferleistungen. Der Anteil der Alleinerziehenden fällt überdurchschnittlich aus. Aber auch baulich liegt in Süd vieles im Argen: Die Werte für Luftschadstoffe und Lärm rangieren am oberen Ende der Skala, der Versiegelungsgrad ist besonders hoch. Daher sollte auch für Recklinghausen Süd ein Integriertes-Stadtteilentwicklungskonzept her, dass aus einem „schwachen“ im Idealfall einen „starken Stadtteil“ formt und aus den dort lebenden vielfach auf öffentlichen Geldern angewiesenen Bürgern „starke Menschen“ macht. Dabei sollte es auch bauliche Veränderungen gehen, denn um Erneuerung im Stadtteil wahrzunehmen braucht es auch etwas Sinnbildliches.

„Wir fordern zugleich die Einsetzung von Quartiersmanagern in Recklinghausen Süd. Wir brauchen vor Ort zuverlässige Rahmenbedingungen und kompetente Anlaufstellen, die unterstützen und Interessierte zusammenbringen“, so Holger Freitag. Als Vermittler zwischen Bewohnern, Akteuren und der Politik und Verwaltung könnten auch in Süd Quartiersmanager eine wesentliche Rolle im Gestaltungs- und Veränderungsprozess spielen. Das Stadtteilmanagement hat darüber hinaus eine koordinierende und organisierende Funktion und baut auf den vielfältigen Netzwerken und Aktivitäten der im Gebiet beheimateten Einrichtungen und Initiativen auf. „Es hilft vor allem Initiativen, die sich für die Nachbarschaft, das Quartier und für einen lebendigen, zukunftsfähigen Stadtteil engagieren“, meint Christel Dymke.

Wir fordern daher zeitnah die Einberufung einer Stadtteilkonferenz für den Stadtteil Süd mit allen Beteiligten an einem Tisch, um Lösungen für die Zukunft des Quartiers zu finden und um zu verhindern, dass dieser Stadtteil irgendwann kippt. Eine Debatte um eine ständige Besetzung der Süder Polizeiwache hilft nicht weiter, es zeigt nur wieder den begrenzten Werkstattkoffer der Altparteien.

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