Foto: Frei/Das weltweit größte Fahrradparkhaus

Das Fahrrad kommt zuerst – Eine Fahrradtour durch Utrecht

Die Grünen haben am Samstag, 13.Juli zu einer Exkursion nach Utrecht eingeladen. Utrecht, die einst in den 60-iger Jahren zur autogerechten Stadt umgebaut werden sollte, ist heute zur Pilgerstadt einer ökologischen Stadtverkehrswende geworden. Die Teilnehmer*innen konnten sich in der niederländischen Stadt in einer rund dreistündigen Fahrradtour ein Bild von dem modernen Nahmobilitätskonzept in Utrecht machen und dazu viele Eindrücke von einer echten nachhaltigen Verkehrsplanung mitnehmen.

Unter Begleitung des städtischen Nahverkehrsexperten, Mark Wagenbuur, besichtigte die Gruppe zu Beginn ihres Besuches das neue Fahrradparkhaus. Am Bahnhof entsteht derzeit das größte Fahrradparkhaus weltweit. Wenn es in diesem Jahr komplett fertig wird, sollen auf drei Geschossen 12.500 Fahrräder parken. Die einzelnen Ebenen sind mit dem Rad befahrbar. Da jeder Abstellplatz über einen Sensor mit einem Computer verbunden ist, erfahren Radfahrende schnell und übersichtlich, wo noch Stellflächen frei sind. Darüber hinaus hilft Utrecht Radfahrende mit einem Parkleitsystem einen Abstellplatz im Stadtgebiet zu finden. Mithilfe elektronischer Anzeigen können die Radfahrer herausfinden, wo noch freie Stellplätze zu belegen sind.

Im Anschluss ging es per Leihfahrrad durch verschiedene Stadtteile in Utrecht. Dabei konnten alle Teilnehmer ein ganz neues Fahrgefühl auf breiten, komfortablen und durchgehend rot eingefärbten Radwegen erleben, die an den Hauptstraßen konsequent vom Autoverkehr getrennt sind. Die Gruppe konnte auf ihrer Tour erleben, dass sicherer und komfortabler Radverkehr dann gut funktioniert, wenn er von Autostraßen physisch abgetrennt ist. Die Radtour führte die Gruppe weiter in die Außenbezirke über ein sehr gut ausgebautes Radwegenetz, durch Unterführungen und über Brücken eigens für Radfahrende. Überall haben Radfahrer Vorrang vor dem Auto wie Verkehrsschilder mit dem Satz „fietsstraat auto te gast“ hinweisen. All das sorgt zudem dafür, dass man auf zwei Rädern schnell und zügig aus den Stadtteilen ins Zentrum kommt. Die Teilnehmer erlebten selbst, wer mit der richtigen Geschwindigkeit unterwegs ist, der radelt zugleich bei Dauergrün durch die Metropole. Mittlerweile werden rund 60 Prozent der Wege im Zentrum Utrechts mit dem Fahrrad zurückgelegt. Doch die guten Radwege fallen auch in Utrecht nicht vom Himmel. Die Gruppe erfuhr, dass die Stadt Utrecht jährlich rund 50 Euro pro Kopf in die Radverkehrsinfrastruktur investiert. Zum Vergleich, Recklinghausen investiert gerade einmal 1,47 Euro pro Kopf.

Wenn, wie von den Teilnehmer*innen zu beobachten war, in der Innenstadt von Utrecht wenig Autos fuhren, braucht es andere Verkehrsmittel, die dem Mobilitätsbedürfnis der Menschen nachkommen. Darum gibt es in Utrecht neben der Straßenbahn auch Stadtbusse, die auf eigenen Fahrspuren getrennt vom übrigen Autoverkehr fahren. Damit es für die Busse an Kreuzungen nicht zu einem unnötigen Halt kommt, werden die Busse einfach unter die Kreuzungen hindurchgeführt. Darüber hinaus existieren kleinere Quartiersbusse, die die Orte in der Stadt abdecken, die von den Stadtbuslinien nicht angefahren werden.

Im Zentrum, bei einer Erfrischung, erfuhr die Gruppe, dass auch die Geschäfte vom Fahrrad-Boom in Utrecht profitieren. Die Innenstadt war gut besucht, es gibt sehr viel Außengastronomie. Denn Radfahrende sind gute Kunden. Nachdem an einer Straße Parkplätze entfernt wurden und dafür ein neuer, breiter Radweg entstand, stiegen die Einnahmen der anliegenden Geschäfte, wie der niederländische Guide berichtete, um 16 Prozent. Der Besuch in Utrecht hat gezeigt, dass der Autoverkehr nur mithilfe der Stadtplanung zentral angegangen werden kann. Im Gegensatz zu Utrecht gibt es kein echtes Konzept für eine Verkehrswende in Recklinghausen. Wir liegen im Vergleich zu Utrecht Jahrzehnte in der Stadt- und Verkehrsplanung zurück.“ Ein Thema, für das wir uns weiterhin einsetzen werden. 

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