Foto: J.Beckmann

Öffnung der Fußgängerzone für den Radverkehr: Wir bekennen Farbe – Die Stadtspitze sieht rot!

 

Die Grünen hatten am 27. September 2018 auf dem Kirchplatz im Rahmen des Feierabendmarktes einen Infostand zur Information über die Freigabe der Innenstadt für den Radverkehr. Dieses für uns freudige Ereignis hatten wir mit Flyern, Plakaten und dem Verteilen von Sattelschonern begleitet. Darüber hinaus hatten wir an einigen Stellen in der Innenstadt mit einer Schablone unseren positiven Apell an die Bürgerschaft – „Für ein faires Miteinander zwischen Fußgängern und Radfahrern in der Fußgängerzone“ – auf den Boden gesprayt.

Das Herbstloch bescherte uns dann überraschend eine mediale Öffentlichkeit durch die hiesige Lokalzeitung. Diese berichtete über die Sprayaktion mit der Überschrift „Grüne bekennen Farbe!“ Dass wir uns zu dieser Aktion bekannt hatten, reichte der Lokalzeitung in der nachrichtenarmen Zeit wohl aber nicht aus. Denn der Redaktionsleiter vertraute unserer Aussage nicht, dass die aufgesprühte Farbe wieder leicht zu entfernen sei und schickte daher tags darauf eine Praktikantin zum Test auf die Straße. Mit Wasser und einem Schwamm bewaffnet gelang es der Praktikantin nicht, den aufgebrachten Appell zu entfernen. Es folgte hierzu wieder ein Artikel. Das rief nun wiederum die Stadtspitze auf den Plan, gegen diese „Schmierereien“ die Keule der Sachbeschädigung vorzubringen. Der zuständige Dezernent und der Pressesprecher forderten uns dazu auf, diesen gut gemeinten Text unverzüglich zu beseitigen. Unser Fraktionsvorsitzende wies darauf hin, dass es von unserer Seite keine Schmiererei gewesen sei, sondern ein positiv gemeinter Apell und dass wir die Radfreigabe der Innenstadt damit in ein positives Licht stellen wollten. Bedauerlicherweise hatte die Stadt selbst nicht die Chance gesehen, die Freigabe der Innenstadt für den Radverkehr in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Denn wenn es der Stadt wirklich um die Förderung des Radverkehrs ginge, hätte sie stolz auf die Freigabe der Innenstadt für den Radverkehr und offensiv mit einer großangelegten Kampagne darauf reagiert. Andere Städte, die ebenfalls ihre Fußgängerzone für den Radverkehr freigegeben hatten, organisierten ein Fest, um die Bürgerschaft dabei mitzunehmen, statt wie in Recklinghausen nur still und leise es dabei zu belassen. In diesen Städten wurden wie selbstverständlich auch Bereiche der Fußgängerzone problemlos farbig von der jeweiligen Stadt selbst gekennzeichnet – als Ausdruck der Förderung des Radverkehrs und gemeint als positiver Stempel bzw. Siegel der Verlässlichkeit in dem Versprechen, den Radverkehr zu fördern.

Schade, dass der Appell der Grünen an Fußgänger und Radfahrende – nach der Öffnung der Fußgängerzone fair und rücksichtsvoll miteinander umzugehen – inhaltlich nicht bewertet wurde. Für eine Stadt, die sich auf die Fahne geschrieben hat, den Anteil der Radfahrenden zu erhöhen und den Eindruck aber erweckt, hinter dem Ratsbeschluss nicht zu stehen, ist das bedauerlich.

Die Grünen werden selbstverständlich den aufgesprühten Text problemlos beseitigen, auch damit die aufgebrachten Gemüter wieder ruhig schlafen und sich hoffentlich wichtigeren Themen wieder zuwenden können. Wir werden uns weiterhin für eine echte Mobilitäts- und Verkehrswende und für die Förderung des Radverkehrs in Recklinghausen einsetzen. Auch und gerade weil wir uns gegenüber den Radfahrenden in Recklinghausen verpflichtet fühlen.

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