Kulturkaktus

Geschichte des „Grünen Kulturkaktus“

Einmal im Jahr vergeben Bündnis 90/Die Grünen in Recklinghausen für die Bereicherung des heimischen Kulturlebens den Preis „Der Grüne Kulturkaktus“. Mit dieser Auszeichnung werden Personen/Institutionen gewürdigt, die sich durch Engagement und herausragende Leistungen um die Recklinghäuser Kultur verdient gemacht haben. Eine unabhängige Jury ermittelt den jeweiligen Preisträger bzw. die Preisträgerin aus mehreren Vorschlägen. Der Preis wurde 1993 zum ersten Mal ausgelobt und wird nun seit mehr als zwanzig Jahren erfolgreich vergeben.  Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Preisträger 2017

Carsten Weiss ist seit 2008 Kultur-Koordinator in der Altstadtschmiede Recklinghausen. Die Jury verleiht ihm den Kulturkaktus 2017 für sein großartiges Engagement, die Altstadtschmiede mit neuen Formaten und Projekten in die Zukunft zu führen. Ihm ist es nach Meinung der Jury in nur kurzer Zeit gelungen, eine neue und nachhaltige Programmstruktur für das Haus zu entwickeln und einzuführen. Dabei ging es Carsten Weiss nicht um ein Stabilisieren des einmal Erreichten, sondern um eine erfolgreiche strategisch-zukunftsorientierte Positionierung der Altstadtschmiede. Mit wiederkehrenden Veranstaltungsreihen wie z.B. der Konzert Reihe „lied.wärts“, dem Tanz- und Partyformat „studio10“ sowie der Kleinkunstreihe „wort.wärts“, hat Carsten Weiss auf die Veränderungen der Kulturlandschaft reagiert und damit die Altstadtschmiede als Sprungbrett für Talente, Bands und als Ort des kreativen Austausches in der regionalen und überregionalen Kulturlandschaft erfolgreich gefestigt.

Darüber hinaus lobt die Jury Carsten Weiss herausragendes Gespür, immer wieder außergewöhnliche und qualitativ hochwertige Talente in die Altstadtschmiede einzuladen und mit „Künstlern von übermorgen“ zu überraschen. Mit weiteren neuen Formaten wie „Sonntags um 11 Uhr“ mit Michael van Ahlen und die Einführung der Konzertreihe „tribute to“, die Musik von Helden und Idolen zum Thema hat, trug Carsten Weiss zur weiteren Profilbildung der Altstadtschmiede bei.

Die Jury lobt des weiteren Carsten Weiss Arbeit und Engagement im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit für die Altstadtschmiede. So ist es ihm zu verdanken, dass die Altstadtschmiede über eine moderne Internetpräsens verfügt und die Anbindung an die Sozialen Medien vollzogen wurde. Die monatliche Herausgabe des Newsletters „Schmiede-Hammer“ und die Anbindung an die Online Vorverkaufs-Kartenstelle ist ebenfalls sein Verdienst.

Für die permanente Fragestellung des Schmiede Kultur-Koordinators: „Sind wir noch auf dem richtigen Weg?“, bescheinigt die Jury Carsten Weiss die richtigen Eigenschaften dafür mitzubringen: Große Beharrlichkeit, geduldige Ausdauer, Selbstdisziplin, ausgeprägte Toleranz für Fehler und Rückschlägen und vor allem einen grenzenlosen Zukunftsoptimismus für die Altstadtschmiede nach der Devise: „Wir wollen es, wir können es und wir werden es auch schaffen.“ Die Altstadtschmiede stellt für diese planenden und strategischen Aktivitäten eine bewegliche Infrastruktur und das nötige Know how. Mit Carsten Weiß wird die Altstadtschmiede auch in Zukunft „Kultur-Hotspot“ bleiben.

Preisträger 2016

Der Grafiker, Künstler und Graffiti Sprayer, Markus Becker alias „Herr Orm“, erhält den Kulturkaktus 2016 in Würdigung und Anerkennung seiner künstlerischen Arbeit, des weiteren für sein pädagogisches Anliegen, die künstlerischen Fähigkeiten von Jugendlichen in entsprechende Bahnen zu lenken und für sein fortwährendes Bemühen, der Street-Art als Kunstgenre eine größere öffentliche Beachtung zu verschaffen.

Markus Becker hat mit seiner Kunst ein Gegengewicht zu den illegalen Schmierereien und den zahlreichen „Tags“ im Stadtraum geschaffen und mit seiner Graffiti-Kunst für Blickfänge in der Stadt gesorgt. Graue Wände wurden so zu Leinwänden und für jeden zugänglich. Becker hat damit überzeugend bewiesen, dass Street-Art und Graffiti eine demokratische Kunst ist. Besondere Anerkennung spricht die Jury Markus Becker für seine Tätigkeit als Kurator und künstlerischer Leiter aus: Erinnert sei hier an das Projekt „Abrissbagger“ in 2010 und insbesondere an das Projekt „Back to School“ in 2013. Becker kuratierte die Ausstellung, organisierte und präsentierte eine Auswahl an deutschen und internationalen Künstlern, die innerhalb der Bereiche Street-Art und Graffiti einen besonderen Stil sowie eigene Techniken und Strategien entwickelt haben. Die Besucher hatten in dem leer stehenden Schulgebäude die Gelegenheit, den Entstehungsprozess – von der leeren Wand bis zu den fertigen Werken – live zu verfolgen und erhielten zudem einen hervorragenden Überblick über die verschiedenen Styles.

Die Jury lobt darüber hinaus den pädagogischen Anspruch von Markus Becker und sein Engagement in der Jugendarbeit. Graffiti ist längst schon Teil der Jugendszene geworden. Beckers Intention war es daher immer auch, Street-Art den Jugendlichen in all ihren Facetten nahezubringen und bei den Jugendlichen ein Gespür für Graffiti zu entwickeln. In den verschiedensten Workshops, wie z.B. das in 2014 durchgeführte Jugendprojekt „Trauminseln“, konnten die teilnehmenden Jugendlichen sich selbst immer wieder mit Graffiti ausdrücken und die professionelle Handhabung der Graffiti-Kunst erlernen. Die Altstadtschmiede hat den hohen Wert dieser pädagogischen Arbeit von Markus Becker früh erkannt und seine Arbeit bis heute unterstützt und gefördert.

Markus Becker ist mit seinem Werk, seinem Anliegen und seinem Engagement zu einer lokalen Größe in der Recklinghäuser Kultur geworden.

 

Preisträger 2015

Den Grünen Kulturkaktus 2015 erhielten die beiden Initiatoren des Vereins „Atelierhaus Recklinghausen e.V.“ – Emmy Rindtorff und Gerhard Reinert.

Die Jury vergibt den Preis an Emmy Rindtorff und Gerhard Reinert für ihr Engagement um den Aufbau eines Atelierhauses in Recklinghausen. Das Atelierhaus Recklinghausen ist durch Emmy Rindtorffs und Gerd Reinerts ausdauerndes Bemühen in nur kurzer Zeit zu einem wichtigen kreativen Domizil für künstlerisches Schaffen geworden. Maßgeblich für das Gelingen des Projektes waren ihre Überzeugungskraft und ihr unerschütterlicher Glaube an die kulturpolitische Notwendigkeit eines Atelierhauses in und für Recklinghausen.

Beiden Initiatoren ist es zu verdanken, dass das Atelierhaus sich seit seiner Gründung zu einem Ort entwickelt hat, der den unterschiedlichsten künstlerischen Ausdrucksformen eine unkonventionelle und unbürokratische Plattform bietet. Die Jury lobt darüber hinaus die von Emmy Rindtorff und Gerhard Reinert kuratierten Ausstellungen im Atelierhaus. Diese Ausstellungen überraschen immer wieder durch die hohe künstlerische Qualität und überzeugen zugleich immer wieder mit neuen kreativen Impulsen und außergewöhnlichen Themen. Erinnert sei an die Ausstellung „Bestandsaufnahme“ zur Eröffnung des Atelierhauses, die eine historische Analyse der Situation gab und stadtgeschichtliche Beiträge vermittelte oder das Projekt „Künstlerbücher“, das eine Wiederentdeckung eines fast vergessenes Genres ermöglichte, wie aber auch das aktuelle Projekt „ping pong“, bei dem Künstler bei der Entwicklung eines Gemeinschaftswerks einen Dialog miteinander führen.

Die Jury lobt zugleich Emmy Rindtorff und Gerhard Reinert dafür, dass sie dem Stadtteil König-Ludwig mit den vielfältigen Aktivitäten des Atelierhauses ein individuelles Gesicht gegeben haben. Die Reihe „Sonntags im Atelierhaus“, die Möglichkeit für die Bürgerinnen und Bürger die Ateliers im Haus zu besichtigen und damit die schöpferische Entwicklung der im Atelierhaus wirkenden Künstler zu begleiten, sowie der jährlich ausgelobte künstlerisch-geschichtlich orientierte Kunstpreis „Henriettenglück“, wirken identitätsstiftend.

 

Preisträger 2014

Grüner Kaktus trifft Blauen Hahn
Vorbildliches Engagement in Sachen Kunst von Schülern und Lehrern

Der jährlich vergebene  „Grüne Kulturkaktus“ ging 2014 an die AG „Galerie Blauer Hahn“ im Gymnasium Petrinum. Die Preisverleihung fand am Mittwoch, den 09. April um 12:00 Uhr im Rahmen der Ausstellungsvorschau für die 2. Jahreshälfte, in den Ausstellungsräumen (Bistro) statt. Bündnis 90/Die Grünen übergaben die Auszeichnung gemeinsam an die Initiatorinnen Ulrike Kliszat und Anni Muhlenbeck  sowie ihren kunstbegeisterten Schülern.

„Endlich wird damit ein seit mehr als zehn Jahren erfolgreich praktiziertes, nachhaltiges  Projekt für Jugendliche gewürdigt. Hier werden  Schülerarbeiten ausgestellt und auch verkauft, die außerhalb des Unterrichts entstehen, und das ist in Recklinghausen einmalig“, so die Lehrerin Ulrike Klizat. Unter Insidern bereits ein Geheimtipp, der sich über mehr Öffentlichkeit durchaus freut. Die Galerie ist leicht zu finden – über den Schulhof, durch den eigenen und direkten Eingang zum Kellergeschoß.  Jeder Interessierte ist zu den Öffnungszeiten (wochentags 8-14Uhr) herzlich  eingeladen,  Kunst und Kaffee im „Blauen Hahn“ zu genießen.

Die beiden Gründerinnen sind mit der Entwicklung  ihrer Arbeit  sehr zufrieden. Auch deshalb, weil sich nach wie vor ehemalige SuS an den Ausstellungen beteiligen und wenn möglich auch zur Vernissage kommen. Und weil die Resonanz  bei Schülern, Eltern und Lehrern durch das ganze Jahrzehnt überaus positiv war und ist.

Mit so einer erfolgreichen Geschichte kann ebenso optimistisch in die Zukunft gesehen werden.  Unsere Frage,  was  noch optimiert werden kann und welche Perspektiven  für die Zukunft  gesehen werden, wurde folgendermaßen beantwortet:  „Unser Wunsch ist es, die AG bis zum Ende unserer schulischen Arbeit zu leiten. Gleichzeitig bemühen wir uns um eine Fortsetzung der Galerie und um eine verbesserte technische Ausstattung, d. h. zum Beispiel ein sicherer Fundus an Glühbirnen, Bilderrahmen, Passepartouts und Etiketten. Ein weiterer Herzenswunsch ist das Hinweisschild.“

Fazit: Hier wird mit bescheidenen Mitteln, aber mit viel Enthusiasmus, von allen wertvolle Arbeit geleistet. Kleine Sach- oder Geldspenden sind willkommen und bewirken Großes. Und wenn wir Sie mit der Nominierung und unserer Begeisterung angesteckt haben, freuen wir uns.

In den Kreis der Ausgezeichneten, vom Jungen Forum über Regina Brautmeier sowie Rainer Kauffmann und zuletzt Barbara Ellinghaus, reiht sich die AG „Blauer Hahn“ wunderbar ein, indem sie Engagement für Kunst und Jugend vereinbart.

 

Die bisherigen Preisträger:

1993    Erich Auch, Geschäftsführer des jungen forums
1994    Alois Banneyer und Elisabeth Wickinghoff, Theaterpädagogen der Ruhrfestspiele
1995    Frank Dederich, Leiter des Comic-Museums
1996    Gerd Witte, Ausstellungsmacher
1997    Michael van Ahlen, Literatur
1998    Gerd Politt, Kleinkunst
1999    Patrick Musial, Jazz Initiative
2000    Friederike von Eckardstein, Kunstweg Knappschaft
2001    Tom Klatt, Underground
2002    Lars Tottmann, Hennig Prinz, Michael Frings, Kneipenkultur
2003    Reiner Kaufmann, Stadtteil-Kulturarbeit
2004    Der Künstlertreff, Forum für Kunstschaffende
2005    Das „Art House“, Kino Kultur
2006    Das AKZ (Alternative Kulturzentrum in König-Ludwig), Jugendkultur
2007    Martina Leßnig, Kulturkantine k3
2008    Kai-Uwe Theveßen, Alternatives Kinoprogramm
2009    Jutta Sosna-Grabelus, Kulturmäuse
2010    Peter Reimann (Komma !“) und an den Verein „artikularte“
2011    Regina Brautmeier, Kulturelle Bildung
2012    Andy Nevison – Posthum
2013    Barbara Ellinghaus, Glashaus Galerie

2014    Schülergalerie „Der Blaue Hahn“

2015    Das Atelierhaus Recklinghausen

2016    Markus Becker alias „Herr Orm“