Foto: qimono/Pixabay

Kultur-Leitfaden: Einbiegen auf die Zielgerade

 

Vor zwei Jahren haben wir mit dem Antrag, einen „Kulturentwicklungsplan für Recklinghausen“ zu erarbeiten, den Anstoß für eine umfangreiche Erarbeitung gegeben. Zwei Jahre lang haben Kulturmacher, Künstler und Künstlerinnen sowie interessierte Bürger sich mit der Zukunft der Kultur in unserer Stadt unter dem Motto „Wie stelle ich mir die Kulturstadt Recklinghausen in zehn Jahren vor?“ beschäftigt. Der nun vorliegende Kulturleitplan wurde in vier Programm-Werkstätten erarbeitet und gemeinsam entwickelt. Jetzt liegt der Kultur-Leitfaden vor: 200 Maßnahmen als Ergebnis der Werkstätten wurden in dem Handlungsrahmen aufgenommen. Hierbei handelt es sich um eine Vielfalt von Vorschläge für alle Bereiche der Recklinghäuser Kulturlandschaft: Ein Zentrum im Bereich „Kulturelle Bildung“ soll die Vernetzung der verschiedenen Einrichtungen optimieren, gemeinsame Marketingstrategien im Bereich Musik, Theater und Events sollen mehr Besucher auch überregional ansprechen, ein Kreativquartier soll initiiert werden, die freie Szene soll zukünftig aus einem Fördertopf von 25.000 Euro Zuschüsse erhalten können und die Digitalisierung im Stadtarchiv soll gefördert werden.

Der Kulturentwicklungsplan steht und muss nun der Politik einsichtig vermittelt werden, damit am Ende die Zustimmung im Rat für die Umsetzung der kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen eingeholt werden kann. Danach gilt es die vorgeschlagenen Maßnahmen umzusetzen, dauerhaft zu fördern und sie nachhaltig weiterzuentwickeln. Die zweijährige Arbeit an dem Kultur-Leitfaden hat bei vielen bereits zu einer Aufbruchsstimmung geführt und einen wichtigen Dialog mit der Kulturverwaltung und den Kulturschaffenden in Gang gesetzt. Die Künstler fühlen sich nicht mehr als Bittsteller, sondern als ernst zu nehmende Partner, die mit ihren qualitätsvollen Angeboten wahrgenommen werden. Nicht zuletzt hat auch die Verwaltung durch den Erarbeitungsprozess und durch die Vorarbeit der Programmwerkstätten profitiert. So konnten hierdurch Fördergelder für die neue Stadtbücherei oder für den Anbau der Musikschule akquiriert werden. Ebenfalls als Ergebnis dieses Prozesses muss man die neuen Kooperationen zwischen freier und städtischer Kunst sehen, die entstanden sind wie z.B. die Jazz-Reihe in der Kunsthalle. Was früher unmöglich erschien, wird als Chance gesehen. Diese ersten positiven Ergebnisse stimmen frohe und machen Hoffnungen auf das was noch alles kommt und sich entwickelt. Wir freuen uns darauf.

Was in diesem Kultur-Leitfaden als besonders wichtig und richtig erkannt wurde, ist das Generationenproblem. Denn was nützen uns die schönen Maßnahmen, wenn wir nicht das Publikum auch morgen noch in die Theater- und Konzertsäle bekommen. Darum werden die Museums-, Theater- und Musikbesucher von Morgen nicht übersehen. Ja, es wird eine große Aufgabe sein, innovative Angebote für Kinder und Jugendliche zu entwickeln und anzubieten. Aber es wird sich lohnen. Dazu müssen aber neue kulturelle Anlaufstellen gefunden werden und die Ansprache vor allem über die neuen Medien geschehen.

Der Lenkungskreis wird sich jetzt noch einmal treffen, das Gesamtpaket nach intensiver Diskussion verabschieden und die Ergebnisse im Frühjahr in die Ausschüsse behandeln lassen, sodass im Sommer der Rat hierüber tagen und das Kulturentwicklungsprogramm verabschieden kann.

Verwandte Artikel