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Grüne fordern einen Paradigmenwechsel: Wohnen und Mobilität zukünftig zusammen denken

 

Zugeparkte Straßenränder und das tägliche Suchen nach einem Parkplatz beeinträchtigen immer mehr die Qualität des öffentlichen Raums. Die Grünen kritisieren, dass trotz dieser sichtbaren Probleme die Ausgestaltung der Quartiere unserer Stadt nach wie vor vom Verkehr und seiner Infrastruktur bestimmt wird. Das jüngste Beispiel dafür ist die Umgestaltung eines Grünstreifens in Stuckenbusch als Parkplatz.

Für die Grünen ist dieser am Auto orientierter Lösungsansatz falsch. Statt am alten Fortschrittdenken von gestern festzuhalten rufen sie zu einem Umdenken auf. „In Zukunft muss uns bei neuen Bauvorhaben eine verträgliche Lösung gelingen“, so Holger Freitag, “ um Wohn- und Mobilitätsbedürfnisse auf knapper Stadtfläche unter einen Hut zu bekommen.“

Mobilität und Wohnungsbau müssen nach Meinung der Grünen zukünftig zusammengedacht werden. Neubauvorhaben wie z.B. der Bebauungsplan Dortmunder Straße/Canisiusstraße oder auch das auf dem Trabrennbahn-Areal sollten von Beginn an ein Mobilitätskonzept beinhalten. Der Umweltverbund wäre das Rückgrat der Verkehrsanbindung, ergänzt um vielfältige multimodaler Verknüpfungspunkte. So müsste die Fahrradinfrastruktur zum Quartier konsequent ausgebaut werden, innerhalb des Viertels ein dichtes Fuß- und Radverkehrsnetz entstehen, im Quartier Stationen eines Fahrradvermietsystems existieren, sowie eine bestimmte Anzahl von Car-Sharing-Fahrzeuge fußläufig zur Verfügung stehen und E-Ladesäulen im öffentlichen Straßenraum aufgebaut werden. In einigen Städten, die bereits zeigen, wie es geht, können Mieterinnen der kommunalen Wohnungsbauunternehmen vier Stunden pro Woche sogar ein E-Fahrzeug kostenlos nutzen.

Der zentrale Baustein für die Grünen wäre aber die Entkoppelung von Wohnen und Kfz-Parken und das Begrenzen des privaten Stellplatzangebots pro Wohnung. Die Stellplätze für private Pkw sollten sich weitestgehend in Sammelgaragen – in sogenannten Quartiersgaragen – am Gebietseingang befinden und so den Innenbereich von fahrenden und parkenden Autos freihalten. Verbunden sollte dies mit einem konsequentem Parkraummanagement. Ähnlich wie bei der Lincoln-Siedlung in Darmstadt, könnte eine Mobilitätszentrale im Quartier verankert werden, die an zwei Tagen pro Woche mit einem Mitarbeiter besetzt ist. Dieser berät rund ums Thema Mobilität in der Siedlung und hilft beim Buchen der Mobilitätsangebote. Die Ausgestaltung und Finanzierung solch eines Mobilitätsmanagement müsste darüber hinaus in einem Durchführungsvertrag zum städtebaulichen Vertrag gesichert werden. Somit finanzieren dann alle Bauherren – kommunale, öffentliche wie private Wohnungsunternehmen – das Mobilitätsmanagement mit.

„Städte wie Freiburg, Köln, Tübingen oder Darmstadt liefern übertragbare Modelle und zeigen, wie es geht“, so der verkehrspolitische Sprecher, Volker Schäper. Skeptiker sollten seiner Meinung nach diese Städte besuchen. Mobilitätskonzepte wie das der Lincoln-Siedlung machen Menschen vom eigenen Auto unabhängig und beschränken den Kfz-Verkehr auf ein notwendiges Minimum. Eine Verminderung der Kfz-Stellplätze und das Parkraummanagement lassen knappe innerstädtische Flächen frei für eine nachhaltige und umweltfreundliche Stadtentwicklung. „Für uns ist daher ein Paradigmenwechsel dringend nötig“, sagt Christel Dymke.

 

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