Türkische Opposition nicht im Stich lassen

 

Sonntagnacht ist die Vision der AKP, dass die 1923 gegründete säkulare türkische Republik nichts anderes sei als ein Betriebsunfall der Geschichte, Realität geworden. Recep Tayyip Erdogán hat es nach 15 Jahren extremer politischer Kämpfe tatsächlich geschafft, die säkulare, nach Westen ausgerichtete Republik Mustafa Kemal Atatürks zu beerdigen. Was jetzt kommen soll, ist die Wiederauferstehung des Osmanischen Reiches als moderne Coverversion. Erdogan träumt von einer islamischen grundierten Regionalmacht, deren Einflusszonen sich vom Balkan bis nach Ägypten erstreckt.

Natürlich werden Deutschland und Europa auf diese neue Türkei reagieren müssen. Doch das darf nicht dazu führen die Türkei von europäischer Seite zu isolieren. Es gibt eine Türkei jenseits von Erdogán und es sollte eine Zusammenarbeit jenseits des förmlichen Beitrittsprozess mit den 50 Prozent der türkischen Bevölkerung geben, die für die Demokratie und den Anschluss an den Westen gestimmt haben. Das gilt auch für die türkische Stadt Altinordu. Die angestrebte Städtepartnerschaft zwischen Recklinghausen und dem türkischen Altinordu ist ein Stück näher gerückt und sollte weitergehen. Denn mehr als 60 Prozent der Wahlberechtigten haben in Altinordu beim Referendum für Nein Gestimmt. Wir dürfen diese Menschen nicht ihrem Schicksal unter Erdogans Regime überlassen. Es ist wichtig, die Kontakte zu zivilgesellschaftlichen Initiativen weiter zu pflegen und die Städtepartnerschaften, insbesondere zu Orten wie Altinordu, die nicht Erdogán gewählt haben aufrechtzuerhalten. Die türkische Zivilgesellschaft ist auf den Kontakt zu Europa dringend angewiesen.

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