Altstadt: Leerstand als Chance sehen

 

Der Grund für die Leerstände in unserer Altstadt ist vielschichtig, unterschiedliche Aspekte tragen hierzu dazu bei: Wie zum Beispiel der bestehende Flächenüberhang in Recklinghausen, wodurch die Margen der einzelnen Läden gesunken sind. Denn mit dem Neubau des Einkaufscenters „Palais-Vest“ erhöhte sich die Verkaufsfläche in Recklinghausen schlagartig um weitere 15.000 Quadratmetern. Diese zunehmende Einzelhandelsproblematik führt dazu, dass in Zukunft immer weniger Immobilienbesitzer in ihre Objekte investieren werden, wenn sie keine Renditemöglichkeit mehr haben. Die Objekte werden dann zunehmend mindergenutzt und ein langsamer „Trading-Down-Effekt“ wird immer offensichtlicher. Eine Selbstbeschleu-nigung tritt ein. Das heißt: Als Erstes machen sich Umsatzeinbußen bei den Eigentümern jener leer stehenden Immobilien bemerkbar, wodurch die Fähigkeit sinkt, in die eigene Immobilie investieren zu können. So bleiben notwendige Modernisierungen und Anpassungen an die konkrete Nachfrage aus, was zur Folge haben kann, dass potenzielle Investoren dem Standort fernbleiben, weil das aktuelle Immobilienangebot nicht ihren Anforderungen und Vorstellungen entspricht. Weiterhin strahlt eine Häufung von Leerständen negativ auf das Umfeld aus, der in der Folge noch weitere Leerstände erzeugt.

Wir GRÜNE sehen in dem Leerstand aber auch eine große Chance, der Stadt in dieser Fläche etwas Neues zu geben, was es viel dringender benötigt als wieder nur ein Ladengeschäft. Wenn die Verhältnisse sich ändern, sollte unserer Meinung nach auch über Rückbau oder eine Umnutzung nachgedacht werden. Ebenfalls müssen wir darüber nachdenken, wie wir mehr Atmosphäre und Aufenthaltsqualität in der Innenstadt fördern können. Ziel sollte es sein, die Zukunft unserer Innenstadt nachhaltig und realistisch vorauszudenken und wie wir mit gezielten und umfassenden Maßnahmen auf Leerstände reagieren können. 

Stadt ist unserer Meinung nach auch immer im Wandel und Stadtentwicklung hört nie auf. Aber Veränderungsprozesse finden über einen langen Zeitraum statt. Wir haben dies erkannt und möchten dafür den entsprechenden Rahmen schaffen. Dazu muss aber jetzt ein offener Dialog mit allen Konsequenzen geführt werden und anschließend Ziele für die Altstadt entwickelt werden unter der Fragestellung: Wie die Recklinghäuser Altstadt in 2030 aussehen soll? Denn wir wollen, dass der Stadtraum auch in Zukunft Erlebnis wird, eine Bühne, die bespielt werden kann.

 

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